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Förderung der Selbstständigkeit älterer Menschen mit Behinderung

Förderung der Selbstständigkeit älterer Menschen mit Behinderung

Die Bevölkerungsstruktur in Deutschland ist im Wandel. Die Lebenserwartung steigt und stellt uns vor gesellschaftspolitische Herausforderungen. So sind immer mehr Maßnahmen notwendig, die gezielt auf die Bedürfnisse von Senioren eingehen. Insbesondere ältere Menschen mit körperlichen und geistigen Behinderungen müssen dabei berücksichtigt werden. Denn sie brauchen spezielle Angebote. Hier setzte das Programm „Förderung der Selbstständigkeit ältere Menschen mit Behinderung“ der Baden-Württemberg Stiftung an. Heute wurden die Ergebnisse der wissenschaftlichen Begleitung vorgestellt.

Stuttgart – 3. Juli 2014. Insgesamt 13 Modellprojekte für ältere Menschen mit Behinderung sind in den vergangenen drei Jahren (2010-2013) landesweit durch die Baden-Württemberg Stiftung gefördert worden. Ein wesentliches Ziel war es, den Übergang aus dem Berufsleben in den Ruhestand für ältere Menschen mit Behinderung zu gestalten. Zum Abschluss der dreijährigen Modellphase ist heute die Evaluation des Programms „Förderung der Selbständigkeit älterer Menschen mit Behinderung“ in Stuttgart vorgestellt worden.

Beitrag für ein selbstbestimmtes Leben
Professor Dr. Helmut Mair, Westfälische Wilhelms-Universität Münster, hat die Modellprojekte im Auftrag der Baden-Württemberg Stiftung evaluiert.
Erstmals in der Geschichte der Behindertenhilfe in Deutschland, so Mair, erreicht ein größerer Teil der älteren Generation das Ruhestandsalter. Feste Abläufe und vertraute Personen prägten das Berufsleben, die mit dem Eintritt in den Ruhestand wegbrechen. Diese Lücke gilt es zu schließen. Dafür haben die Modellprojekte einen unterschiedlichen Fokus gewählt. Bei einem Teil richtete sich dieser auf die individuelle personenbezogene Begleitung, beim anderen Teil lag der Schwerpunkt auf der Durchführung von Qualifizierungsangeboten für die Zielgruppe. Dabei zeigte sich, dass es die eine Lösung nicht gibt, da die Pflege und Betreuung im Alter ganz individuell angepasst werden muss. Eines haben die Projekte jedoch gemeinsam: mit der Erprobung und Weiterführung der Maßnahmen leisten sie einen wichtigen Beitrag für ein selbstbestimmtes Leben älterer Menschen mit einer Behinderung. Ganz im Sinne von Artikel 19 des Übereinkommens der UN über die Rechte von Menschen mit Behinderung.

Vier Eckpunkte für mehr Selbstständigkeit

Auf Basis der evaluierten Projekte lassen sich folgende vier Orientierungs- und Eckpunkte für Pflegeeinrichtungen, Vereine oder Sozialstationen, so Professor Dr. Mair, formulieren. Diese eröffnen älteren Menschen mit Behinderung Optionen, ihr Leben selbständig zu gestalten und am gesellschaftlichen Leben teilzuhaben.

  1. Individuelle Voraussetzungen der Betreffenden gilt es zu eruieren und zu akzeptieren.
  2. Biografische Erfahrungshintergründe, wie der berufliche Werdegang oder der familiäre Rückhalt, sollten gesammelt werden, um diese dann
  3. in enger Zusammenarbeit mit dem Betroffenen in eine Zielerklärung zu formulieren.
  4. Öffnung der bereits vorhandenen Behinderten- und Altenhilfen innerhalb der Gemeinden und Kommunen, um Zugänge für Menschen mit einer Behinderung zu ermöglichen. Langfristig sollte erreicht werden, dass sich alle behindertengerechten Einrichtungen unterschiedlicher sozialer Szenen vor Ort inkludieren.


Beispiele aus den Programmen
„Das Projekt ist zu einem wichtigen Bestandteil des Netzwerkes Behindertenhilfe für die Inszenierung von Inklusion für ältere Menschen mit Behinderung geworden“, so Corinne Haag, Mitarbeiterin der Sozialplanung des Landratsamts Bodenseekreis. Der Schwerpunkt des Projekts mit dem Titel „Aktiv für ältere Menschen mit Behinderung – Senioren für Senioren“ lag auf nachhaltigen Sozialpartnerschaften zwischen Menschen mit und ohne Behinderung, die gemeinsam Dinge im Alltag erleben und unternehmen. Dabei hat sich gezeigt, dass Gleichaltrige, ob mit oder ohne Behinderung, eine Bereicherung füreinander sind, da oft gemeinsame Interessen vorliegen. Das Modellprojekt ist so gut verlaufen, dass die ehrenamtliche Hilfe der Senioren nicht mehr wegzudenken ist, da die persönliche Lebensqualität der älteren Menschen mit Behinderung erheblich gestiegen ist.
Ebenfalls eine Bereitschaft des Helfens erfahren hat das Projekt „Zukunft gestalten- Förderung der Selbstständigkeit von älteren Menschen mit Behinderung“ in Biberach. Hier wurden jedoch alle Teilnehmer von den Sozialarbeitern vor Ort individuell und einzelfallorientiert begleitet. Trotz dieser intensiven Betreuung hat sich gezeigt, dass es ohne den Inklusionswillen der zukünftigen Rentner nicht geht, so ein Projektleiter des Landratsamts Biberach. Doch der Wille fehlte oftmals, was vermutlich an der Sozialisation dieser Generation liegt.

Fazit
Mit diesem Programm konnte ein Stück weit Pionierarbeit geleistet werden, da es bundesweit bislang nur wenig Vergleichbares für diese Zielgruppe gibt. Die vorliegende Evaluation des Programms verdeutlicht, dass es im Hinblick auf eine weitestgehend inklusive Gesellschaft (nicht nur für ältere Menschen mit Behinderung) noch einiger Anstrengungen bedarf. Sie zeigt aber auch, dass es bereits sehr gute und vielfältige Ansätze und Wege zur Förderung der Selbstbestimmung von älteren Menschen mit Behinderung und ihrer Teilhabe gibt.


Hinweise für die Redaktionen:

Im Februar 2009 hat der Aufsichtsrat der Baden-Württemberg Stiftung das Programm zur Förderung älterer Menschen mit Behinderung mit 1,5 Millionen Euro bewilligt. Für eine Laufzeit von drei Jahren (2010-2013) war es das Ziel, ältere Menschen mit einer Behinderung darin zu unterstützen, den Übergang aus dem Berufsleben in den Ruhestand besser bewältigen zu können oder ihnen eine Brücke aus einer gewohnten Lebensumgebung in eine neue Lebensphase zu bauen. Zudem sollten passende Maßnahmen für eine sinnvolle Alltags- und Freizeitgestaltung entwickelt werden. Für das Programm wurden 13 Modellprojekte ausgewählt.

Die vollständige Evaluation sowie eine Lister aller teilgenommenen Projekte finden Sie unter www.bwstiftung.de.






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