Nutzung des Internet Explorers 6/7/8

Sie nutzen eine alte Version des Internet Explorers, die leider nicht mehr unterstützt wird. Bitte verwenden Sie einen aktuellen Browser. Falls Ihnen die Rechte hierfür fehlen, können Sie Ihren Internet Explorer auch um Google Chrome Frame erweitern. Die Erweiterung ermöglicht Ihnen die Darstellung von Webseiten, die den Internet Explorer nicht mehr unterstützen. Der Download ist hier möglich.


Impressum

Baden-Württemberg Stiftung gGmbH
Kriegsbergstraße 42
70174 Stuttgart
Deutschland

Fon +49.711.248 476-0
Fax +49.711.248 476-50
E-Mail: info(a)bwstiftung.de

www.bwstiftung.de

Vertretungsberechtigte Geschäftsführung: Christoph Dahl (Geschäftsführer), Rudi Beer, Dr. Andreas Weber, Birgit Pfitzenmaier (Prokuristen)
Gesellschafter: Land Baden-Württemberg
Handelsregistereintrag: Amtsgericht Stuttgart HRB 10775

„Schulen stark machen gegen Suizidalität und selbstverletzendes Verhalten“

„Schulen stark machen gegen Suizidalität und selbstverletzendes Verhalten“

Selbstverletzendes und suizidales Verhalten treten zumeist im Jugendalter auf. Dabei ist die Schule oft der erste Ort, an dem Selbstverletzungen bemerkt werden. Besonders Lehrkräfte stehen dabei vor einer großen Herausforderung. Die Baden-Württemberg Stiftung hat im Rahmen ihres Programms Psychische Gesundheit von Jugendlichen das Projekt Schulen stark machen gegen Suizidalität und selbstverletzendes Verhalten (4S) aufgelegt und dafür insgesamt 1,8 Millionen Euro zur Verfügung gestellt. Experten zu diesem Thema haben heute in Stuttgart bei der Auftaktveranstaltung des Projekts dazu gesprochen.

Stuttgart – 10. Juli 2014. Lehrer müssen heutzutage deutlich mehr leisten, als das reine Vermitteln von Wissen. Mobbing, Gewalt, Selbsthass, Suizidgedanken oder Probleme im Elternhaus machen keinen Halt vor den Klassenzimmern. Themen, die in der Lehrerfortbildung immer mehr an Bedeutung gewinnen. Die Baden-Württemberg Stiftung will mit dem Projekt „Schulen stark machen gegen Suizidalität und selbstverletzendes Verhalten“ Lehrer dabei unterstützen, diesen Situationen zu begegnen. Dazu erarbeitet die Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie des Universitätsklinikums Ulm Handlungsempfehlungen, damit Lehrkräfte Schülern bei diesen Problemen gezielt helfen können. „Das 4 S-Projekt „Schulen stark machen gegen Suizidalität und Selbstverletzendes Verhalten“ ist eine sehr gute Weiterführung der Kooperation zwischen Wissenschaft und Schule und bereichert das Fortbildungsangebot zu psychischen Erkrankungen. Wir wollen die Lehrerinnen und Lehrer bestmöglich dabei unterstützen, Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen in Krisen beizustehen“, betonte Kultusminister Andreas Stoch heute bei der Auftaktveranstaltung in Stuttgart.

Alarmierende Zahlen aus Baden-Württemberg
Aktuelle Studien aus Baden-Württemberg zeigen, dass circa ein Drittel der Fünfzehnjährigen sich zumindest einmal absichtlich selbst verletzt hat, 4% tun dies häufiger. Etwa ein Drittel aller Jugendlichen berichtet über Suizidgedanken, 8% der jungen Heranwachsenden haben bereits einen Suizidversuch unternommen. Angesichts dieser Zahlen kann davon ausgegangen werden, dass sich in einer Schulklasse zumindest ein Jugendlicher aktuell selbst verletzt und ein bis zwei Jugendliche bereits einen Suizidversuch unternommen haben.
Im Sportunterricht, auf Schulausflügen oder durch Zufall - in der Schule werden die ansonsten geheim gehaltenen Selbstverletzungen oft zum ersten Mal bemerkt. Eine Situation, die gerade Lehrerinnen und Lehrer vor enorme Herausforderungen stellt. Selbstverletzendes Verhalten wird nicht immer mit dem Ziel unternommen, das eigene Leben zu beenden. In den meisten Fällen dient dieses als Regulation von negativen emotionalen Zuständen. Trotzdem besteht ein erhöhtes Risiko eines Suizidversuchs bei Jugendlichen, die sich häufig selbst verletzen. Aber auch Jugendliche, die erstmals in der Schule mit selbstverletzendem Verhalten oder Suizidalität von Klassenkameraden in Berührung kommen, brauchen Hilfe. „Lehrer sind privilegierte Ansprechpartnerinnen und Ansprechpartner für Kinder und Jugendliche. Fragt man betroffene Kinder mit selbstverletzendem Verhalten, an wen sie sich gewandt haben oder wenden würden, zählen Lehrer neben professionellen Beratern oder der Familie zu den erstgenannten Ansprechpersonen. Deshalb wollen wir Lehrer unterstützen, mit einer solchen komplexen Thematik umzugehen“, erklärte Prof. Dr. Jörg M. Fegert, Ärztlicher Direktor der Kinder- und Jugendpsychiatrie / Psychotherapie der Universitätsklinik Ulm.

Mehr als „nur“ Lehrer
Hilfe holen sich Schüler bei Lehrern, die sie mögen und denen sie vertrauen. Das sind schon lange nicht mehr nur die Verbindungslehrer einer Schule. Schulsozialarbeiter, Beratungslehrer und Schulpsychologen sind notwendig, um die Sorgen und Nöte der Heranwachsenden bewältigen zu können. „Kinder und Jugendliche sind die Zukunft unseres Landes. Ihnen gilt unsere Fürsorge und ihre Probleme und Sorgen müssen wir ernst nehmen. Lehrerinnen und Lehrer darf man jedoch nicht mit solchen Themen alleine lassen. Deswegen ist es uns ein Anliegen, Hilfestellungen zu entwickeln und die Ursachen zu bekämpfen “, sagte Christoph Dahl, Geschäftsführer der Baden-Württemberg Stiftung.

Wichtige Unterstützungsangebote und Telefonhotline
Im Rahmen des Projekts sollen Lehrerinnen und Lehrer in speziell konzipierten Schulungen Wissen erwerben, wie sie auf Schülerinnen und Schüler reagieren sollten, die sich mit Gedanken der Selbstverletzung oder des Suizids quälen. Anhand von Übungen und Reflexionen wird das erlangte Wissen dann praktisch erprobt. Darüber hinaus werden auf einer Internet-Plattform Informationen bereitgestellt. Zudem wird eine Telefonhotline eingerichtet, über die sich Lehrerinnen und Lehrer, wenn gewünscht anonym, kostenlose Unterstützung bei einer approbierten Kinder- und Jugendpsychotherapeutin holen können. Im Rahmen von „Schulprotokollen“ soll an teilnehmenden Schulen ein standardisiertes Vorgehen implementiert werden, wie mit Schülern, die sich selbst verletzen oder suizidale Äußerungen tätigen, umgegangen werden soll. Dieser Prozess wird individuell auf die regionalen Gegebenheiten der Schule angepasst. Dabei wird eine Verknüpfung mit den örtlich zuständigen Kinder- und Jugendpsychiatrien angestrebt, um eine Abklärung und Versorgung im Notfall sicher zu stellen.

Hinweise für die Redaktionen:
Die Mehrheit der Kinder und Jugendlichen in Deutschland wachsen körperlich und psychisch stabil auf. Es gibt aber auch immer wieder Kinder und Jugendliche, die psychische Auffälligkeiten und Probleme aufweisen. Psychische Belastungen, emotionale Probleme und Verhaltensauffälligkeiten charakterisieren kindheits- und jugendbezogene Gesundheitsprobleme der heutigen Zeit. Die erkennbaren Auswirkungen sind dabei sehr unterschiedlich und reichen von Essstörungen über somatische Erkrankungen bis hin zu selbstverletzenden oder suizidalen Handlungen.
Im Rahmen des Aktionsprogramms Psychische Gesundheit von Jugendlichen der Baden-Württemberg Stiftung werden neue Ansätze zur Unterstützung psychisch belasteter Jugendlicher initiiert. Teil der Initiative ist ein Projekt zur Prävention und Intervention bei selbstverletzendem Verhalten und Suizidalität. Dabei werden ein Schulungsangebot für Lehrkräfte, Schulsozialarbeiter u.a. und Informations- und Beratungsangebote entwickelt. Das Projekt Schulen stark machen gegen Suizidalität und selbstverletzendes Verhalten (4S) wird von der Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie des Universitätsklinikums Ulm im Auftrag der Baden-Württemberg Stiftung umgesetzt. Gestartet zu Beginn dieses Jahres wird das Projekt für die kommenden drei Jahre mit einem Volumen von 750.000 Euro unterstützt. Das Aktionsprogramm Psychische Gesundheit von Jugendlichen erhält insgesamt 1,8 Millionen Euro. Die ersten Schulungen für Lehrkräfte finden ab dem kommenden Schuljahr statt.





Fotos