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Modellprojekt gegen Mobbing

Modellprojekt gegen Mobbing

Glückliche Schüler laufen nicht Amok

Baden-Württemberg ist das erste Bundesland, das ein Modellprojekt gegen Mobbing umsetzt. Zehn Schulen haben im September 2015 das Präventionsprogramm nach Olweus eingeführt.

Jeder dritte Schüler in Baden-Württemberg ist oder war bereits Opfer von Mobbing. Um die Kette von Mobbing, Gewalt und möglichen Spätfolgen zu durchbrechen, wurde 2015 an zehn Schulen in Baden-Württemberg die weltweit effektivste Methode - das Anti-Mobbing-Programm nach Olweus - implementiert. Es wird im Rahmen des Aktionsprogramms Psychische Gesundheit von Jugendlichen von der Baden-Württemberg Stiftung finanziert.

Stuttgart, 27. Juli 2016 – Mit dem schrecklichen Amoklauf eines Schülers in München ist erneut ein Mensch zum Täter geworden, der selbst auch Opfer von Mobbing gewesen ist. Erwiesen ist, dass Mobbing zu Depression, Angst, Suizidtendenzen oder Gewalt in Beziehungen führen kann. Auch wenn ein Mobbing-Opfer nur im Extremfall zum Amokläufer wird und immer auch weitere Umstände eine Rolle spielen, ist doch die Gefahr nicht zu leugnen, die von Mobbing für das Individuum und die Gesellschaft ausgehen. Hier setzt das Olweus Mobbing-Präventionsprogramm an, das an das baden-württembergische Schulsystem angepasst und 2015 in zehn Schulen eingeführt wurde. Im September 2016 kommen weitere zehn Schulen hinzu.

„Glückliche Schüler laufen nicht Amok“, weiß Dr. Michael Kaess, geschäftsführender Oberarzt der Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie am Heidelberger Uniklinikum, der das Modellprojekt der Baden-Württemberg Stiftung leitet und die Daten evaluiert. „Mobbing ist an jeder Schule ein Thema, und das Olweus Bullying Prevention Program ist die beste Methode, um dieses Problem nachhaltig in den Griff zu bekommen. Es bezieht Schüler, Eltern und das gesamte Lehrerkollegium mit ein und führt damit zu einer langfristigen positiven Veränderung des Schulklimas“, erklärt Kaess. „Wir sind gespannt, was die Daten, die wir in den Schulen derzeit erheben, nach dem ersten Jahr mit Olweus zeigen werden.“

Rebecca Vorbach, Lehrerin und Olweus-Botschafterin an der Tulla-Realschule in Karlsruhe, hat sehr positive Erfahrungen mit der Olweus-Methode gemacht. „Im Kollegium ist deutlich eine veränderte Grundstimmung spürbar. Das Programm ist ein Zugewinn für jeden Lehrer. Wir alle haben die Maßnahmen aus dem Olweus-Handbuch schon viele Male erfolgreich angewendet und konnten mit Mobbern bewusster und angemessener umgehen als zuvor“, erklärt sie.

Gewaltprävention im Klassenzimmer
Jeder Schüler hat ein Recht darauf, sich an seiner Schule sicher zu fühlen und nicht gemobbt zu werden. Ziel des Olweus-Programms ist es, die Aufmerksamkeit für Mobbing zu erhöhen und die Einstellung dazu an Schulen zu verändern. Neben Schülern und sämtlichen Lehrern eines Kollegiums werden auch alle Eltern mit einbezogen – und zu Mobbing-Experten ausgebildet. Das macht die Methode aufwendig und zur logistischen Herausforderung für alle Beteiligten. Rund 18 Monate dauert es, bis das Programm alle Strukturen durchdrungen hat und wie selbstverständlich funktioniert. Über die Zeit tritt langsam ein Bewusstseinswandel bei allen Beteiligten ein. Aber der Einsatz lohne sich laut Prof. Dr. Dan Olweus, der bereits seit den 1970er Jahren das Thema Mobbing erforscht. „Nur dauerhafte Veränderungen in den schulischen Rahmenbedingungen können Mobbing reduzieren“, davon ist er überzeugt. Die Zahlen geben ihm Recht: mit seiner Methode wurde an Schulen in Norwegen und in den USA die Zahl der Mobbing-Opfer nachweislich um bis zu 70 Prozent reduziert. Langfristig mache sich das Programm auf jeden Fall bezahlt, sagt Olweus, denn der Gesellschaft würden Kosten durch Spätfolgen wie Krankheiten, Depression, Drogenkonsum oder gar kriminelle Handlungen und Gewaltverbrechen erspart.

Effektivste Methode gegen Mobbing
Der norwegische Psychologe Dan Olweus gilt als Gründervater der Mobbing-Forschung. Er untersuchte bereits Ende der 1970er Jahre die sozialen und psychologischen Mechanismen des Mobbings an Schulen und veröffentlichte 1983 die erste Version seines Präventionsprogramms. Das Programm nach Olweus wurde mehrfach überarbeitet, zuletzt im Jahr 2012. Es ist weltweit die effektivste Methode gegen Mobbing, wie eine Analyse von insgesamt 25 Anti-Mobbing-Programmen* bewiesen hat. Bereits 2008 sprach sich die EU-Kommission für die flächendeckende Einführung des Olweus Bullying Prevention Program aus. Der Sonderausschuss „Konsequenzen aus dem Amoklauf in Winnenden und Wendlingen“ forderte 2010 eine Einführung des Olweus-Programms in Baden-Württemberg. Ein Interview mit Prof. Dr. Olweus lesen Sie hier.

Olweus Mobbing-Präventionsprogramm
Die Baden-Württemberg Stiftung hat für das bundesweit einmalige Modellprojekt gegen Mobbing 460.000 Euro zur Verfügung gestellt: Es ist Teil des Aktionsprogramms Psychische Gesundheit von Jugendlichen, im Rahmen dessen auch ein Projekt zur Prävention von selbstverletzendem Verhalten und Suizidalität sowie eine Studie zur Nachhaltigkeit von ehrenamtlichem Engagement in der Onlineberatung für Jugendliche durchgeführt werden. Insgesamt hat die Stiftung für das Programm 1,8 Mio. Euro bereitgestellt.


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